So viel Applaus gibt’s selten in einer Kirche. Dargersdorf feierte seine Handwerker und alle die an der Kirchenrettung mitgeholfen haben. Die Wieder-Einweihung der Kirche nach langer Bauzeit wurde im Rahmen der Festwoche zum 650jährigen Dorfjubiläum gefeiert – am Dienstag mit einer Ausstellung und Vorträgen zur Orts- und Kirchengeschichte. Am vergangenen Freitag mit einer Festandacht, zu der viele am Planungs- Finanzierungs- und Baugeschehen Beteiligte gekommen waren. Dazu Gäste aus umliegenden Orten und Templin, die mittlerweile gemeinsam die Evangelische Kirchengemeinde Templin bilden und natürlich alle Dargersdorfer.
Der Platz in der Kirche reichte nicht aus. Durch die offene Tür ließ sich das Geschehen drinnen aber gut verfolgen. So zum Beispiel auch jene wichtige Begebenheit, die mittlerweile zum Anekdoten-Fundus rund um die Kirche gehört und wohl auch in die Ortschronik einfließen wird:
„Herr Haertel, wollen Sie die Kirche amputieren?!“ Mit diesem ungläubigen Ausruf vor zirka zehn Jahren fing alles an. Am Ortsrand von Dargersdorf standen Bernhard Haertel von der Kirchengemeinde und Anette Fugmann-Haesing, ehemalige Berliner Finanzsenatorin in Diepgens vierten Senat mit (Zweit-)Wohnsitz in Dargersdorf. Ihre Blicke gingen zum Kirchturm, malerisch gerahmt vom Blattwerk üppiger Bäume – Der Turm hatte sich geneigt. Das Holz war von Schädlingen befallen und das Dach undicht. Nur eine Frage der Zeit, bis das Fachwerk nachgeben würde.
„Der Turm ist so schlecht, den reißen wir ab“, hatte Bernhard Haertel zuvor gesagt, worauf der Satz mit der „Amputation“ fiel. „Aber wo sollen wir denn als kleine Gemeinde das Geld für eine Sanierung hernehmen?“ – „Herr Haertel, ich hole das Geld ran“, sagte Fugmann-Haesing darauf und so begann eine über Jahre währende Reise durch Bau- und Finanzplanung, Fördermittelbeschaffung und Spendensammlungen, bis es dann endlich losgehen konnte. Doch mit dem Turm allein war es nicht getan. Dass auch das Kirchenschiff wegen der bereits fortgeschrittenen Holzschäden vollständig saniert und das Fachwerk stabilisiert werden musste, konnte damals niemand ahnen.
Nun ist es geschafft: Die Dargersdorfer Kirche steht da wie neu – fast. Der Fußboden und die Elektrik müssen noch erneuert werden. Für letzteres stellt der Kirchenkreis noch einmal Mittel bereit, so dass diese Arbeiten zügig beginnen können.
Wieviel Herzblut und Engagement in den Kirchenbau geflossen sind und weiterhin fließen, wird bei der Dankandacht einmal mehr deutlich. Handwerker und am Bau Beteiligte werden mit Applaus gefeiert und gehören irgendwie schon zur Familie. Das macht wohl den Zauber vieler kleinen Dörfer in der Uckermark aus – dass man, ist man erstmal mittendrin auch irgendwie angekommen ist. Und das hat auch, wie hier in Dargersdorf, mit der Kirche im Dorf zu tun.


























