Es ist kalt. Das Licht fehlt. Da kommen die miesepetrigen Gedanken hoch. Im 5. Buch Mose werden die Menschen aus Gottes Volk aufgefordert sich an das zu erinnern, was trotzdem gerade gut ist in ihrem Leben.
Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat. (5. Mose 26,11 Einheitsübersetzung)
Was macht mich in diesen Tagen fröhlich? Woran erfreue ich mich? Das sind gewichtige Fragen. Manchmal fällt es mir leicht eine Antwort zu geben: Die Augen meiner Liebsten. Die Winterlinge im Garten. Die Musik von Elton John.
Aber manchmal muss ich auch lange darüber nachdenken. Weil ich gebannt bin von dem, was mir Sorgen bereitet oder Stress macht. Weil ich damit beschäftigt bin, mich aufzuregen über die Entwicklungen der internationalen Politik, die Benzinpreise und das Wetter. Weil mein Knie streikt und der Ischias sich meldet. Dann bin ich als Miesepeter unterwegs und die Lebenskraft geht flöten. Ich brauche an solchen Tagen einen Anstoß: Denk an das, was jetzt gerade trotzdem gut ist. Neben all dem anderen. Mitten in all dem anderen.
In der jüdischen Religion gab es genau zu diesem Zweck mehrere Feste. Die Leute sollten ihren Alltag verlassen und am Tempel in Jerusalem zusammenkommen, fröhlich sein und miteinander das feiern, was gut ist in ihrem Leben. Unser Monatsspruch für Februar kommt aus der Aufforderung ein Erntedankfest zu feiern. Feste bringen alles Schöne zusammen. Menschen, Musik, gutes Essen und das Lob Gottes. Das Fest an sich ist schon eine wunderbare Erholung vom Alltag. Auch wenn es anstrengend ist, alles vorzubereiten und hinterher aufzuräumen. Während des Festes kann ich mir klar machen, was mein Leben reich macht. Was mich glücklich macht.
Im 26. Kapitel des 5. Buch Mose werden die Menschen an die guten Sachen in ihrem Leben erinnert. Nur für den Fall, dass jemand das alles vergessen hat und keinen Grund zum Freuen findet.
- Es ist eine gute Sache eine Heimat zu haben – einen Ort, an dem ich in Frieden und Freiheit leben kann.
- Es ist gut, dass ich genug und Gesundes zu Essen habe.
- Es ist gut, dass ich meine Rechnungen bezahlen kann.
- Es ist gut in einer Gemeinschaft zu leben, die Menschen in Not unterstützt und keine Familie mit ihrem Elend allein lässt.
- Es ist gut, mit den Menschen verbunden zu sein, die vor uns da waren und denen die nach uns kommen.
- Es ist gut Geschichten des Glaubens zu haben:
- Wie Gott Menschen in die Freiheit führt.
- Wie Gott dabei hilft, Verantwortung für das zu übernehmen, was wir angerichtet haben.
- Dass Schuld vergeben werden kann.
- Dass Menschen gesund werden können.
- Dass Menschen Kraft gefunden haben, um unmögliche Belastungen durchzustehen.
Alles dieses Gute sollte am Tempel gefeiert werden. Und ich denke, mit dieser Erinnerung haben Viele aus ihrer Miesepetrigkeit herausgefunden. Mir hilft diese Liste an guten Dingen. Auch nach über zweitausend Jahren ist sie aktuell. Sie zeigt mir, was mich hält und trägt. Sie zeigt mir, dass nicht alles schlecht ist. Wenn diese Dinge feiern kann, dann werde ich noch viel mehr entdecken, was mir gut tut. Und ich werde immer wieder aus meiner Miesepeter-Stimmung herausfinden.
Gott segne Sie!
Ihr Pfarrer Martin Doß