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Was unsere Worte über den Frieden verraten

Gedanken zum Wochenende von Diakon Jörg Kerner aus Zehdenick

Am Sonntag ist Volkstrauertag, und wir gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt. Der Volkstrauertag hat eine lange Geschichte. Immer wieder stand er in der Kritik, er würdige zu einseitig die Opferbereitschaft und den Heldentod deutscher Soldaten. Wir haben zurückgeschaut und versucht, vernünftige Konsequenzen aus der Geschichte zu ziehen: „Nie wieder Krieg!“ wurde daraus formuliert. Die Menschenrechte und unser Grundgesetz flankieren dieses „Nie wieder“ seit 80 Jahren.

Nicht erst durch den Überfall Russlands oder das Attentat vom 7. Oktober auf Israel und den daraus resultierenden Krieg in Gaza sind wir von Neuem mit der Gewalt des Krieges konfrontiert. Wie darauf reagiert wird, erkennt man immer an der Sprache. Wenn aus dem Verteidigungsministerium ein Kriegsministerium wird oder aus Verteidigungsfähigkeit offensive Kriegsfähigkeit, verändert sich auch wirtschaftliches und militärisches Denken. Wo die Parole früher hieß „Frieden schaffen ohne Waffen!“, scheint sie jetzt plötzlich zu heißen: „Frieden schaffen mit immer mehr Waffen!“ Ist das richtig? Ist das falsch?

Was „Kanonenfutter“ bedeutet, weiß jeder, und wir hören es von der Front in der Ukraine, wo Hunderte Soldaten beider Seiten auf der Strecke bleiben. Die „Strecke“ ist in der Jägersprache die Summe des erlegten Wildes, das am Ende der Jagd an einem bestimmten Ort ausgelegt wird.

Unsere Sprache verrät uns. Den Begriff „Kollateralschäden“ kennen wir seit dem Golfkrieg. Er ist die zynische Bezeichnung für die zivilen Kriegsopfer und nimmt – wie der Begriff „Kanonenfutter“ – den Opfern ihre Erkennbarkeit. Beide Begriffe schmerzen, weil sie die Unmenschlichkeit von Kriegen benennen.

Ich denke schmerzlich an die Vertriebenen und Getöteten im Sudan, von denen ich kein Gesicht habe. Ich denke an die 800 Opfer bei den Unruhen in Tansania, die von der Regierung schnell verscharrt wurden. Ich denke an die vielen Flüchtlinge, die weltweit auf der Strecke bleiben und über die kein Wort verloren wird.

Wir betrauern an diesem Tag die Opfer der Kriege – Opfer, die dem menschlichen Größenwahn und dem Hass zugeschlagen werden müssen, einem falschen Nationalismus und dem Irrglauben, dass etwas gewonnen wäre, wenn sich ein Volk über das andere erhebt.

Dieser Sprachlosigkeit setzt sich eine Gruppe um Pfarrerin Maria Harder und Michaele Wittke in Fürstenberg jeden Monat aus: Regelmäßig am 24. jeden Monats um 17 Uhr treffen sie sich in Fürstenberg am Stadtpark an dem Denkmal und gehen schweigend als Trauermarsch bis zur evangelischen Kirche und danach zum Kriegerdenkmal. Sprachlos und doch mahnend bringen sie damit ihre Klage zum Ausdruck.

Gottes Wort ruft uns, friedensfähig zu werden. Die aktuellen Kriege sind für uns eine Mahnung zur Umkehr. Jesus Christus sagt: „Selig sind, die Frieden stiften.“

Mit Gott lässt sich Liebe gewinnen und das Böse überwinden. Das ist wahres Heldentum. Das ist Gottes Weisheit – tief und ganz für uns gemacht. Damit wir nicht trauern müssen, sondern am Ende Gottes Liebe feiern können, die für alle gilt.
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