gedanken zum neuen Jahr 20241231

Von guten Mächten – an der Schwelle zum neuen Jahr

Gedanken zum Jahreswechsel von Superintendent Uwe Simon aus Gransee:

Ich stehe an der Schwelle zum neuen Jahr. Ein Stück des Weges sehe ich vor mir, aber das Ziel verliert sich noch in der Ferne wie im Nebel hinter Wegbiegungen. Ich gehe diesen Weg zum ersten Mal, bin neugierig und verunsichert zugleich.

Woher ich komme, weiß ich gut. Dort sind mir die Landschaften und Menschen vertraut, einige stehen mir nahe, andere sind fremd geblieben. Manches gesagte oder unausgesprochen gebliebene Wort ruft sich in Erinnerung. Ich spüre, was ich an Lasten mitnehme, und würde gerne Ballast zurücklassen, Freude, Dank, Kränkung, Enttäuschung oder Sehnsucht aussprechen. Es läuft sich dann leichter auf den kommenden Wegen.

Es ist nur noch ein Schritt über die Schwelle. Die Frage ist nicht, ob ich ihn gehe, sondern was er mir bringt.

Vor 80 Jahren schrieb Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis – in Todesahnung – zum Weihnachtsfest und Jahreswechsel ein Gedicht für seine Braut, ein wunderbares und bleibendes Geschenk von unbezahlbarem Wert bis heute.

“Von guten Mächten treu und still umgeben / behütet und getröstet wunderbar / so will ich diese Tage mit euch leben / und mit euch gehen in ein neues Jahr.”

Genauso möchte ich unterwegs sein.

Ich wünsche Ihnen auf den Wegen ins neue Jahr Gottes Segen und unserer Welt Frieden. Uwe Simon, Supterintendent

Post von Deiner Kirche

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Wenig Aufwand – große Freude, Herzlichen Dank!

Es ist die Zeit der Jahresrückblicke mit den harten vermeintlichen Fakten aus Politik, Gesellschaft und Sport in Stadt, Land und weltweit. An Kriege und Konflikte, an Wahlergebnisse und Regierungskrisen, an Inflation und Naturkatastrophen wird erinnert, aber auch an Fussballeuropameisterschaften olympische Spiele oder die Paralympics, an Dubai-Schokolode oder andere Trends und Hypes, die nicht an Ländergrenzen halt machen. Viele werden ein hartes Urteil über dies Jahr fällen, das uns mit mehr Fragen als Antworten oder Perspektiven zurücklässt.

Dabei weiß ich gar nicht, ob dies auch wirklich auf mein Leben zutrifft. Oder werden die Hoffnungszeichen, die von Versöhnung, von Neubeginn und von blühendem Leben erzählen, einfach nur verdrängt und übersehen, weil nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind?
Ich muss an das biblische Leitwort vom Anfang des Jahres zurückdenken. Jahreslosungen haben das Ziel, einen anderen Blick auf alles vermeintlich Eindeutige zu ermöglichen, und Mut zu machen oder für Klarheit zu sorgen.


„Alles, was ihr tut geschehe in Liebe“ hatte der Apostel Paulus an Christen in Korinth geschrieben. Eine leidenschaftliche Geschichte verband ihn mit den Menschen dort. Mit der Liebe, das wissen wir aus Erfahrung, ist es dann in akuten Konflikten aber immer so eine Sache. Es wird persönlich und Streit kann verletzen, polarisieren und spalten. Das Problem ist dabei gar nicht der Streit an sich, sondern die Art wie er geführt wird. Darum mahnt er wohl zu recht: „Alles, was ihr tut ,geschehe in Liebe.“
Es wäre jetzt eine gute Gelegenheit, einen Jahresrückblick der ganzen anderen Art zu wagen, gleichsam mit den Augen der Liebe, also versöhnlich und zugewandt, und dann nach den guten, sogar eher unscheinbaren und gerade darin so wertvollen Erfahrungen des zu Ende gehenden Jahres zu schauen.
Ich erinnere mich an einen langen Urlaub und damit eine Auszeit am Anfang des Jahres, in der ich viel Zeit zum Lesen hatte. Ein Buch hat mich besonders berührt. Ian McEwan hat in seinem Roman „Lektionen“ die Geschichte eines Mannes erzählt, die wie eine Reise durch die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts anmutet und doch ebenso eine konkrete Lebensgeschichte ist mit allen Hoffnungen und Enttäuschungen, mit Rollensuchen, mit Erfahrungen von Liebe und Scheitern und am Ende dann mit der Einsicht, dass es gut ist, weil es sein Leben ist. Lesen lohnt sich. Auch wenn meine eigene Lebensgeschichte ganz anders verlaufen ist, bin ich mir doch ununterbrochen bei der Lektüre der „Lektionen“ begegnet. Und es waren überraschende und schöne Begegnungen mit meinem Leben, für die ich im Rückblick auf dieses Jahr sehr dankbar bin. Es lohnt sich einmal zu schauen, welche Menschen mich geprägt haben, welche Begegnungen entscheidende Weichenstellungen in meinem Leben waren, wer mich gefördert und unterstützt hat, wer mich Vertrauen in mein eigenes Leben und zu Gott gelehrt hat, wer es mit mir zusammen unternommen hat, inmitten von Misserfolgen, Herausforderungen und Enttäuschungen nicht zu verzweifeln, sondern zu wachsen.


Ich erinnere mich im Rückblick an das spontane Gefühle einer tiefen und tragenden Dankbarkeit für dieses Leben auch auf seinen krummen Wegen. Und dieses Gefühl möchte ich mir von einem Jahr zum anderen gerne bewahren. Es war am Anfang nur ein Buch und am Ende dann mehr als nur Zeitvertreib, nämlich Selbsterfahrung.


Ist ihnen in diesem Jahr auch ein Buch begegnet, das sie beim Lesen gepackt und nicht mehr losgelassen, dass ihnen zu Denken und zu Fühlen gegeben und den Blick verändert hat?
Dann lohnt es, das in Liebe zu erinnern.


Ich denke weiter den kleinen Dingen nach. Mir kommt im Sommer eine gemeinsame Zeit mit guten Freunden in den Sinn. Immer wenn wir uns treffen, gibt es viel zu erzählen. Allein ist das ist schon immer jede Stunde wert, weil es nicht nur Worte sind, die hin und her wechseln, sondern Gefühle und Lebensgeschichten, Fragen und Antworten. Und dabei kommen auch immer sehr persönliche Dinge zur Sprache. Und die schweren Dinge werden dabei ganz leicht, weil jeder und jede weiß, wovon die Rede ist.
Dieser gemeinsame Blick auf das jeweils eigene Leben, auf die Aufgaben, Anfechtungen und Zweifel, auf Entscheidungen, die getroffen wurden oder getroffen werden müssen, dieses Gefühl „ich sehe und ich verstehe dich“, gehört zu den größten Geschenken des Lebens, an die ich mich zum Jahresende gerne erinnern möchte und für die ich dankbar bin. Wegbegleiter*innen sind wunderbare Gottesgaben.


Für welche Begegnung sind Sie im Rückblick auf dieses Jahr mit den Augen der Liebe denn ebenso dankbar? Sich gegenseitig zeigen zu können, mir bedeuten diese gemeinsamen Zeiten so viel, weil ich mich gesehen und verstanden fühle, ist ein wunderbares Geschenk, das noch nachwirkt, wenn es nicht mehr unter dem Weihnachtsbaum liegt. Es trägt durch den Alltag des neuen Jahres.


Eine letzte Erinnerung, wie sie eigentlich nicht in einem Jahresrückblick vorkommen würde, mir aber beim liebevollen Rückblick in den Sinn kommt. Es ist ein Konzertbesuch im Sommer und ein mir bis dahin unbekanntes Cellokonzert, das so voller Leidenschaft und Gefühl war, dass ich zutiefst berührt und bewegt mit einem ganzen Meer von Gefühlen aus dem Konzertsaal kam, beglückt von den Begegnungen mit all diesen Emotionen und dem eindrücklichen Bewusstsein, intensiv wie selten die eigene Lebendigkeit zu spüren.


Das tiefe Empfinden „ich lebe“ habe ich ja nicht nur an Tagen des Glücks, sondern ebenso inmitten ganz widersprüchlicher und in mir streitender Empfindungen.
Ich lache und spüre, wie ich lebe,
ich zweifle und fühle, wie sich das Leben in mir regt.
Ich bin nachdenklich und erwarte etwas von meinem Leben,
ich trauere und spüre im Verlust Lebendigkeit in der ganzen Fülle des Lebens.

Wann also in diesem Jahr haben sie sich ganz und gar lebendig gefühlt?
All das, die Geschichten, Wege und Stationen meines Lebens, die Begegnungen mit den Menschen, die mich fordern und fördern, die Lebendigkeit, die ich im Lachen und im Weinen spüre, möchte ich in Gottes Hand legen. Aus seiner Hand empfange ich mein Leben, mit dem, was mich wachsen und meine Lebendigkeit spüren lässt.


Auch meine Sorgen und Ängste sind, selbst wenn ich die Lösungen noch nicht sehe, bei ihm aufgehoben, mehr noch: ich bin bei ihm aufgehoben und kann so die Schwelle ins neue Jahr übertreten. Mit den Augen der Liebe entdecke ich im Rückblick so viel Ermutigendes und Gutes.
Im neuen Jahr wartet eine neue Jahreslosung auf mich. „Prüfet alles und behaltet das Gute.“ Wieder ein guter Hinweis aus der Feder des Apostels Paulus. Vielleicht ja ebenfalls die Einladung nicht immer nur auf die Defizite, das Schlechte und Negative zu schauen, sondern sich den Blick für das Gute zu bewahren, denn:


Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Segen

Gott, segne uns auf den Wegen, die wir gehen:
Schenk uns Geduld,
damit wir warten können auf das,
was erst noch wachsen muss.


Gott, segne uns das neue Jahr, das vor uns liegt:
Schenk uns offene Augen,
damit wir deinen Stern entdecken
in den Herausforderungen,
die uns das Leben stellt.


Gott segne und behüte unsere Schritte:
Schenk uns Vertrauen ins Leben,
Mut, für das Gute einzustehen,
und die Zuversicht, dass nie umsonst ist,
was wir in deinem Namen tun.


Gott segne uns mit Frieden:
Schenk uns die Kraft,
auf dein Wort zu hören,
deinem Klang zu folgen
und zu wachsen in Glaube, Hoffnung und Liebe,
damit unser Leben Frucht bringt.
So segne uns Gott, väterlich und mütterlich
durch Christus in der ermutigenden Kraft seines Geistes.

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